Great Again

Wild West Show


Zwei Frauen haben Großes vor: Sie versuchen unter maximaler Anstrengung Buffalo Bill´s berühmte Wild West Show zu re-enacten: Mit 56 bewaffneten Cowboys, 42 tanzenden Indianern, 86 wilden Pferden und einer Bisonherde. Gut möglich, dass sie dabei scheitern. William F. Cody alias Buffalo Bill hatte eine Mission. Er wollte ein Amerika erfinden, das die junge Nation mit Stolz erfüllt. Ein Amerika, das von der ganzen Welt bewundert wird. Über dreißig Jahre lang tourte er mit seiner aufwändigen Show durch die USA und Europa und begeisterte ein Millionenpublikum. Er gründete damit eines der erfolgreichsten Genres der Popkultur - den Western - und wirkt damit bis heute stilprägend. Dabei nahm er es mit der Wahrheit nicht so genau. Die Vergangenheit wird zur Legende, zur Sehnsuchtsmaschine zur Identifikationsplattform und nicht zuletzt zur perfekten Bühne der Idealisierung seiner eigenen Person. 

Great Again ist eine Beschwörung der Beschwörung: Das Vergangene muss Gegenwart werden - Damit wir endlich so großartig werden, wie wir nie waren.


von und mit: 
Katrin Bretschneider, Manuela Weichenrieder

Dramaturgische Beratung: 
Noah Holtwiesche, Esther Steinbrecher

Gefördert vom Bremer Senator für Kultur 
Unterstützt von Schwankhalle

 

Lesen Sie die Rezension.

 

3 Fragen zu "Great Again" (gestellt von Pirkko Husemann, künsterlische Leitung Schwankhalle)

In Great Again geht es um das Genre Western. Woher kommt eure Begeisterung dafür und was hat der Western in Bremen zu suchen?

Wir verbinden beide sehr intensive Kindheitserinnerungen mit dem Genre Western. Landschaften, Soundtracks, Kameraführung und natürlich die Westernhelden haben sich tief in unsere ästhetische Matrix gebrannt. Einerseits spüren wir bis heute die dem Western immanente Sehnsucht nach Freiheit, Grenzerweiterung und Gerechtigkeit, andererseits haftet dem Western aus heutiger Perspektive natürlich auch viel Kritikwürdiges an. Buffalo Bill´s Wild West Show war ein gigantisches Openair-Spektakel mit Büffelherden, wilden Pferden, Kunstschützen - und als besondere Sensation - mit „echten Indianern“. Die Show war stilprägend für ein ganzes Genre. Sie tourte jahrelang sehr erfolgreich weltweit und machte im September 1890 auch Station in Bremen, an der „Radrennbahn Außer der Schleifmühle“. Die Arena fasste 20.000 Zuschauer - Eine Woche lang gab es zwei Vorstellungen am Tag. Also hat vermutlich ein Großteil der Bremer_innen damals diese Show gesehen.

Das Stück heißt Great Again, was an Donald Trumps Rhetorik denken lässt. Was hat es damit auf sich?

Unser Stück ist kein tagesaktueller Kommentar zur Figur Trump. An „Great Again“ interessiert uns tatsächlich vor allem die rhetorische Figur, die Strategie, die zwar aus dem populistischen Repertoire Trumps kommt, aber weit über ihn hinausweist. „Great Again“ hat mit dem Befeuern von Sehnsüchten zu tun, mit Komplexitätsreduktion, mit der Re-Inszenierung von Geschichte und mit Legendenbildung. In der Rückschau lässt sich das eigene Leben und auch das Wir-Gefühl einer Nation leicht idealisieren. Das tut auch die Buffalo Bill Show, denn zum Zeitpunkt ihrer Entstehung war die Zeit der Eroberung des Wilden Westens schon so gut wie vorbei. Was Buffalo Bill tat, war eine hochartifizielle und nicht unbedingt wahrheitsfixierte Re-inszenierung von Geschichte. Er verfolgte damit ein klares Ziel: Die Ästhetisierung der Vergangenheit sollte die junge amerikanische Nation mit Stolz erfüllen und dafür sorgen, dass der Rest der Welt mit Bewunderung auf sie blickt. Er wollte begeistern. Dafür wählte er die Form des Spektakels. Wir drehen dass Rad eine Runde weiter und versuchen eine Beschwörung der Vergangenheit, die bereits aber schon ihrerseits eine Beschwörung der Vergangenheit war - um uns so großartig zu fühlen, wie wir nie waren. Wir uns deshalb für die Form des Re-enactments entschieden. Es geht dabei nicht nur um Show als Show, wir nehmen das gesamte Ereignis - inklusive des damaligen Publikum in den Fokus. Das Publikum ist dabei ein entscheidender Faktor, dem eine wichtige Rolle zukommt.

Ihr behandelt das Ganze aus weiblicher Perspektive und mit einer weiblichen Besetzung? Ist das ein feministischer Kommentar?

Allein der Fakt, dass wir als Frauen zu zweit versuchen diesen männlich besetzten Western-Kosmos inklusive Cowboys, Postkutschenräubern und Büffeljägern aufzurufen, ist natürlich schon ein feministischer Kommentar. Wenn wir uns mit unseren weiblichen Körpern in Beziehung zur Figur des Cowboys setzen, schwingt das Thema unterschwellig immer mit. Allerdings ist das in diesem Fall nicht das zentrale Anliegen des Abends.

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